Lebendigkeit

Das Gegenteil von Lebendigkeit ist Tod. Daher wird wohl jeder damit einverstanden sein, dass Lebendigkeit ein wichtiger Faktor für ein glückliches Leben ist.

Im Jahre 1905 schrieb Max Weber bereits von der „Mechanisierten Versteinerung“, die unserem Zeitalter drohe mit der Aussicht auf „Fachmenschen ohne Geist, Genussmenschen ohne Herz: dies Nichts bildet sich ein, eine nie vorher erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben“ 1.

Bewegung ist Leben, aber in der Tat sind die Menschen unbeweglicher, versteinerter geworden. Eine Dienstleistungsgesellschaft, wie die unsere, bannt das Volk immer mehr an die Schreibtische. Aber vor allem geht es darum nicht die Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und das Mitgefühl im digitalen Zeitalter zu verlieren. Sei es durch Zeitmangel oder durch digitale Distanz. Dem beschleunigten Fortschritt muss sich beinahe jeder unterwerfen, ob er will oder nicht. Ein Beispiel: Haben Sie Kinder, können sie dem Kind in unserer heutigen Gesellschaft das Smartphone ab einem bestimmten Zeitpunkt, ob sinnvoll oder nicht, nicht mehr verwehren, da es alle haben. Außenseiter will man als Jugendlicher nicht sein. Das Smartphone ist Unterhaltungs- und Kommunikationszentrale und als solche bindet es viel Zeit. Wichtige oder unwichtige Zeit sei mal dahingestellt, aber Zeit, die im Nachhinein nicht als besonders lebendig wahrgenommen wurde. Ich würde sagen, nahezu alle Jungendliche verbringen mehr Zeit damit, sich in den sozialen Netzwerken um sich und die Optimierung ihres eigenen Profils zu bemühen, als sich um die Bedürfnisse anderer zu kümmern. Möchte man also über Lebendigkeit sprechen muss man auch vom Markt geformte Bedürfnisse hinterfragen.

Lebendigkeit bedarf einer Beziehungsform zu der Außenwelt. Diese Beziehung kann u.a. in Personen, der Natur oder auch in Sachgegenständen, z.B. Büchern, gefunden werden. Nur muss „das Andere da draußen mit mir so in Beziehung treten, dass ich durch diese Beziehung selbst verändert werde […] Lebendigkeit ist deshalb Anverwandlung von Welt, nicht bloß Aneignung von Stoff“, so der Soziologe Hartmut Rosa. 2 Lebendigsein bedeutet, über vibrierende Resonanzdrähte verbunden zu sein, in einem Antwortverhältnis zum Leben zu stehen, so Rosa weiter.

Lebendigkeit lässt sich nicht planen, sie erwächst aus den Schwingungen die uns in der Interaktion mit der Außenwelt treffen. Erfahrungen. Wer vernunftgetrieben lebt, lebt nicht lebendig, da die Reaktionen auf sein Leben vorhersehbar sind. Die Resonanzdrähte schwingen nicht. Lebendigkeit bedeutet sich überraschen zu lassen und offen der Welt entgegenzutreten, Neues zu erforschen, sich treiben zu lassen und dabei Fehler machen zu dürfen.

Eine Gesellschaft, die unablässigen Fortschritt und Verbesserung, also Wachstum fordert, lässt wenig Raum für Lebendigkeit. Eine Politik, die aus Vernunftgründen Wirtschaftswachstum fordert, bringt den Menschen mechanisierte Versteinerung und Depression. Aufgabe eines Staates, der ernsthaft glückliche Bürger zum Ziel hat, ist es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die Lebendigkeit im öffentlichen Leben überhaupt zuzulassen.  Hierfür muss z.B. über Entschleunigung, ein Grundeinkommen, mehr Freizeit und über Freiheit und Partizipation nachgedacht werden.

Öffentliche Grundversorgung

Die öffentliche Grundversorgung ist staatlicher Auftrag und Daseinsvorsorge für alle Bürger und soll ein gutes Leben in unserem Staat ermöglichen. Sie bildet den Rahmen zum glücklich sein. Zu ihr gehören Verkehrs- und Beförderungswesen (Öffentlicher Personenverkehr), Gas-, Wasser-, und Elektrizitätsversorgung, Müllabfuhr, Abwasserbeseitigung, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Krankenhäuser bzw. Gesundheitsversorgung, Friedhöfe, öffentliche Bäder, Telekommunikation, etc. und auch die soziale Sicherheit. Ich würde noch gerne die Natur hinzufügen. Warum denkt bei der Öffentlichen Grundversorgung niemand an die Natur? Man kann nie genug davon haben und wenn wir sie schonen, wird irgendwann die Natur unser größter Reichtum sein.

Sind diese Dinge für jedermann gleichermaßen zugänglich, sind die Weichen für ein gutes Leben richtig gestellt. Die öffentliche Grundversorgung muss daher zu einem angemessenen, für jedermann bezahlbaren Preis angeboten werden, weshalb es Aufgabe des Staates ist, dies zu regulieren. Hierbei müssen wiederum die Ärmsten einer Gesellschaft das Maß der Dinge sein. Bus fahren, Museen besichtigen, Schwimmen gehen, als Hartz IV-ler ist die Teilhabe daran derzeit schwierig. Auch Chancengleichheit bei Bildung und Gesundheit kann derzeit heftig bezweifelt und diskutiert werden. Untersuchungen beweisen, dass eine gute Bildung heute eine Frage des richtigen Elternhauses ist.

Die Privatisierung bzw. der Verkauf dieser staatlichen Aufgaben kann nicht funktionieren, da private Unternehmen nicht das Wohl des Volkes, sondern ihre eigene Gewinnmaximierung zum Ziel haben und zeigt obendrein, dass die verantwortlichen Politiker (bei Amtsantritt vereidigt auf das Wohl des Volkes) das Wesentliche aus den Augen verloren haben. Es gibt keine gemeinnützigen internationalen Konzerne, die das Wohl des deutschen Volkes zum Unternehmensziel haben! Aus diesem Grund gehört es verboten Bereiche der Öffentlichen Grundversorgung zu privatisieren. Diesbezügliche Verhandlungen innerhalb von sog. Freihandelsabkommen wie z.B. TTIP und TiSA sind grundsätzlich abzulehnen.

In all diesen Bereichen darf es nicht ums Geld gehen, sonst verlieren wir das Ziel eines guten Lebens für alle aus dem Auge. Es gehört zu den Aufgaben des Staates diese Bereiche mit Geldern zu subventionieren.

Unbeschwerte Kindheit

Eine unbeschwerte Kindheit führt unzweifelhaft zu einem gesunden Urvertrauen, einer positiven Lebenseinstellung und bildet somit den Grundstein für ein zufriedenes Dasein in jeder Gesellschaft.

Kindern wird heute aber verinnerlicht, dass das Leben schwierig ist. Dies indem man suggeriert gut sein zu müssen, damit man einen Lebensstandard erreicht, der Zufriedenheit verspricht. Die Terminkalender vieler Kinder ist heute so voll, wie der eines Managers. Viel wird gefördert, geübt und verabredet. Zeit zum Spielen, spontane Treffen auf dem Dorfplatz, sich mit sich selbst zu beschäftigen, oder einfach mal Langeweile zu haben fehlt.

So wachsen die Kinder heute schon mit Stress und Leistungsdruck während der Grundschulzeit heran. Früher konnte man mit einem Hauptschulabschluss noch einen guten Job finden. Heute scheint man mit Realschule+ auf dem Abstellgleis zu landen, was die Ursache für den Druck, der verständlicherweise auch von den Eltern aufgebaut wird, ist. Aufgabe der Politik ist, diesen Druck von der Gesellschaft zu nehmen.

Die Märkte haben die Kinder als Konsumenten im Visier. Kinderzeitschriften sind voll mit Werbung. Werbung im Supermarkt oder im Fernsehen manipuliert die Kinder im Sinne der Gewinnmaximierung von Unternehmen und nicht zum Wohle des Kindes.

Es gibt viele Gesetze zum Wohle des Kindes. Ob es um die Pflicht zum Tragen von Fahrradhelmen oder Richtlinien für Kindergärten und deren Belieferung von Essen geht, der Staat regelt dies und regelt weit mehr und zu viel. Aber wenn die Interessen des Wirtschaftswachstums betroffen sind, scheint das Kindeswohl egal. Hier muss der Staat zukünftig das Wohl des Kindes über das der Wirtschaft stellen und Dinge wie Manipulative Werbung verbieten. Kinder können noch nicht differenzieren und daher werden sie von der Industrie ausgenutzt.

Smartphones sind Zeiträuber zu den u.U. noch Spielekonsolen, Tablets und Fernseher kommen. Jeder der Kinder hat, wird bestätigen können, dass Kinder objektiv betrachten zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Dies zu reduzieren könnte vom Staat unterstützt werden indem die existierenden Altersfreigaben für ein Apple- oder Google-Konto oder auch für die Nutzung von Whatsapp, die bei 14-16 Jahren liegen, gesetzlich eingefordert würden. Es könnte sich niemand benachteiligt fühlen, wenn es Smartphones per Gesetz für alle erst ab 16 geben würde. Auch ein Produktivitätseinbruch wäre volkswirtschaftlich nicht zu erwarten. 10 oder 12jährige Kinder können nicht die nötige Medienkompetenz besitzen um sinnvoll mit den Geräten zu arbeiten. Die Eltern sind mit der Aufsichtspflicht reihenweise überfordert.

Freie Zeit und auch Langeweile sind wichtig, nicht nur für Kinder. Erst durch Langeweile kommen einem neue eigene Ideen in den Sinn und durch Kreativität und Muße entstehen neue Entdeckungen und Ergebnisse, die Kinder zu eigenständigen und selbstbewussten Menschen werden lassen.

Die guten Sitten

Als Maßstab der guten Sitten zieht die Rechtssprechung das „Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden“ heran. So wie die Werte vom Markt verändert werden, werden aber auch die guten Sitten vom Markt definiert. Sitten sind augenblicklich dann gut, wenn sie dem Markt helfen zu wachsen.

Meine Bank schrieb mir im Frühjahr 2016: Der Zinssatz für Sollzinsen liegt fortan bei 11,750% und für eine geduldete Überziehung bei 15,750%. Im Mai 2020 schrieb mir die gleiche Bank, dass der Sollzins bei 11,400% und für geduldete Kontoüberziehungen bei 15,400% liegt. In der Zwischenzeit haben sich die Habenzinsen teilweise ins negative gekehrt. Unser Bürgermeister erzählte mir, er müsse für öffentliche Gelder auf der Bank Minuszinsen zahlen und es gibt aktuell Banken, die für neue Privateinlagen ebenfalls schon Minuszinsen berechnen. Wie kann es sein, dass sich an den Kreditzinsen kaum etwas ändert? Wie kann man über 15% Differenz zwischen Haben und Sollzinsen rechtfertigen? Persönlich würde ich hier von Wucher sprechen, da die Bank selbst das Geld für 0% leihen darf. Das kann nicht im Rahmen der guten Sitten liegen und unterliegt bestimmt nicht dem Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden.

Verantwortlich für den Verfall der guten Sitten sind der Gesetzgeber und die Gesetzesvertreter – aber niemand in der Justiz oder der Politik unternimmt oder sagt etwas – so scheint es. Wenn aber niemand zuständig ist für den Verfall von Anstand und Moral, dann benötigen wir eine neue Instanz in unserem Staat, die die Einhaltung der guten Sitten sicherstellt. Eine moralische, wertebasierte Instanz.

Generell muss zukünftig mit Erstarken der historischen Werte auch das Anstandsgefühl wieder etwas gelten. Ohne Anstand wird ein glückliches Leben in unserer Gesellschaft nicht zu realisieren sein. Hierbei müssen die reichen und politischen Vorbilder eine Vorreiterrolle übernehmen. Es ist nicht möglich, dass ein Politiker seinem Wahlauftrag gerecht wird, wenn er noch gleichzeitig in fünf Aufsichtsräten sitzt oder regelmäßig Schulungen und Beratungen honoriert bekommt. Ein Ex-Kanzler Schröder darf nicht für die Werte der freien Welt plädieren um sich anschließend von einem totalitären Despoten für seine Arbeit bezahlen zu lassen. Auch nicht, wenn der Kanzler sich aus dem politischen Geschehen zurückzieht.

Werte pflegen

Die Marktwirtschaft soll Mittel zum Zweck, ein Werkzeug, und nicht Bestimmung sein. In den Zeiten der ausufernden Märkte vergas man vollständig über Werte zu sprechen, Märkte und Wachstum waren und sind die einzigen Themen von Relevanz. Und so sind wir heute zu einer Marktgesellschaft geworden in der die Märkte neue Werte schaffen. Selbst die Wirtschaftkrise ab 2008 hat kein Werteumdenken angestoßen, was äußerst bedenklich ist.

Eine Marktgesellschaft jedoch ist eine Lebensweise, in der das Wertesystem des Marktes in alle Aspekte menschlicher Bemühungen eingesickert ist. Sie ist ein Ort, an dem alle sozialen Beziehungen marktförmig geworden sind. (Sandel, S18)

Wenn man Dinge zu Handelswaren macht, muss man auch über die allgemeine moralische Auffassung hierüber nachdenken und diskutieren. Die Politik hat dies viel zulange vernachlässigt. Man muss also über Güter wie z.B. Gesundheit, Ausbildung, Familie und auch über existenzielle Dinge wie Arbeit und Entlohnung unter moralischen Gesichtspunkten neu nachdenken.

Durch die Politik müssen den Märkten moralische Grenzen gesetzt werden und die großen Fragen der Menschen beantwortet. Hierbei muss sich jede Entscheidung auf eine breite moralische Basis stützen, sonst verändern sich allgemeingültige Werte. Menschen verdrießen und werden der Politik müde.

Damit die ehemals richtigen Werte nicht neuerlich korrumpiert und verändert werden, benötigen wir eine Instanz, die die Werte, die uns wichtig sind schützt und überwacht, die unsere Werte bewahrt.

Beständigkeit

Wenn man über Beständigkeit nachdenkt muß man zwangsläufig auch über Forschritt nachdenken. Für die Wirtschaft ist Fortschritt gut, denn Sie eröffnet neue Absatzmärkte und verspricht neuen Aufschwung. Für den Menschen bedeutet er aber etwas Neues erlernen zu müssen und gleichzeitig etwas Althergebrachtes zu vergessen. Also auf der einen Seite steht Anstrengung in Form von Lernen – wir sprechen heute schon vom „lebenslangen Lernen“ und meinen es positiv – und auf der anderen Seite steht der Verlust von etwas Überlieferten und evtl. auch Liebgewonnenen. Beides geht einher. In dem Maße in dem man sich mit Fortschritt und neuer Technologie beschäftig fehlt einem die Zeit sich mit familiären oder kulturellen Überlieferungen zu beschäftigen. Wer weiß heute noch, wie man Sauerkraut selbst herstellt oder Fleisch für den Winter konserviert? Praktische Dinge eben, die einem auch helfen, wenn mal der Strom ausfällt.

Ich weiß nicht, wieviel Rechtschreibreformen es seit meiner Schulzeit gegeben hat, muss ich die alle mitmachen? Jede Veränderung mag nötig sein, sollte aber doppelt und dreifach hinterfragt werden, da eine Veränderung immer auch ein Stück Kulturverlust darstellt. Mit einer heutigen chinesischen Schulbildung können Sie noch chinesische Texte von vor 2000 Jahren verstehen.  2000 Jahre alte germanische Texte lesen? Kennt die überhaupt jemand? Der Mensch ist froh, wenn er sich zurecht findet und als Erwachsener mit seinem Wissen im Leben sein Auskommen hat. Dann bleibt nämlich noch Platz für das Wesentliche im Leben: Familie, Freunde, Muße oder einfach Müßiggang und Erholung. Der Erwachsene Mensch hätte durch Beständigkeit die Möglichkeit abzuschalten und Dinge nach eigenem Belieben zu machen. Fortschritt, „Lebenslanges Lernen“ und die Konfrontation mit ständig neuen Entwicklungen und auch politischen Veränderungen geben den Menschen keine Beständigkeit, keinen Halt und keine Sicherheit, sondern erzeugen fortwährenden Stress. Er kann nicht mehr selbst entscheiden, worin liegen meine Vorlieben und was möchte ich in meiner Freizeit gerne tun. Nicht ohne Grund gibt es so viele Burn-Out-Fälle und psychische Erkrankungen wie noch nie.

Fortschritt darf nicht zu einem gesellschaftlichen Zwang werden. Er muss langsamer im Sinne der Beständigkeit zu gesellschaftlichen Normen werden. „Ja, ich habe kein Handy“, muß man auch heute noch sagen dürfen, ohne als Außenseiter und chancenlos in einer Nebengesellschaft zu leben. Aber wer traut sich dies bei einem Einstellungsgespräch heute noch zu sagen. Wenn der Staat fordert, dass alle Bürger ihre Einkommenssteuer elektronisch per Software übermitteln müssen, vergisst er die, die mit diesem Medium nicht groß geworden sind und macht sie zu Außenseitern.

Gerechtigkeit

Bei allen politischen Entscheidungen muss an oberster Stelle die Gerechtigkeit stehen. Eigentlich das normalste der Welt, dennoch immer wieder ignoriert – zugunsten der oberen Zehntausend. Wie anders kann man erklären, dass die Reichen immer Reicher werden?

Die Zeit berichtete: „Deutschland hat jetzt eine Uhr, die Reichtum anzeigt. Man findet sie auf der Internetseite des neu gegründeten Bündnisses »Umfairteilen«. Danach besitzen die Deutschen unvorstellbare 7,5 Billionen Euro, von denen unvorstellbare 63 Prozent dem reichsten Zehntel der Gesellschaft gehören. Dessen Vermögen beträgt exakt 4.735.827.780.210 Euro. Wobei sich die hinteren Ziffern mit atemraubender Geschwindigkeit verändern. Kaum hat man sich umgedreht, liegen schon wieder hunderttausend Euro mehr auf den Konten der oberen zehn Prozent. Die Reichen werden reicher, auch das ist die Botschaft dieser Uhr. Es ist ein Wahnsinn.“

Es kann also gespart und verdient werden. Gerechtigkeit bedeutet aber, dass jeder etwas davon erhält.

Gerechtigkeit bedeutet auch, dass Subventionen und Förderungen jedem gleichermaßen zu Teil werden. Rister und Rürup helfen leider nur in dem Maße in dem man auch gut verdient. Das ist ungerecht. Das alte Motto „Leistung soll sich auszahlen“ stimmt leider nicht mehr. Niedriglöhne und Zeitarbeitsagenturen führen zu hohen Leistungen aber weniger Auszahlungen. Das Motto ist veraltet und darf heute keiner Rechtfertigung dienen.

Es geht sicherlich nicht darum, dass jeder gleichviel besitzt. Leistung soll sich bezahlt machen. Aber Vermögen, die sich vermehren, nur, weil sie schon seit Generationen in einer Familie sind, sind dann ungerecht, wenn die Startchancen der Kinder so ungleich werden, dass Kinder von Geburt an schon zu den Verlierern gehören.

Die Einzige Lösung ist eine allgemeine Gleichbehandlung der Bürger und dies einkommensunabhängig. Ob es bezahlte private Eliteschulen und –universitäten geben darf, die nur durch den Faktor Geld von vornherein eine bessere Position bieten, muss neu diskutiert werden.

Partizipation

Die Demokratie lebt von der Teilnahme der Bevölkerung an Entscheidungen, an der Mitgestaltung der Regeln eines zufriedenstellenden Zusammenlebens. Doch in Deutschland sehen viele die Entscheider, die gewählten Vertreter des Volkes, dem Volk entrückt. Die Wahlbeteiligungen sind bescheiden und sinken.

Die Meisten winken resigniert ab, wenn man nach Mitbestimmung des Wählers in der Politik fragt. Es ist normal, dass Topthemen des Wahlkampfes nach der Wahl vergessen sind oder sogar anders gesehen werden. Parteien verlassen Grundsatzlinien und sind plötzlich vom Gegenteil überzeugt, was zu einer vermischten Gesichtslosigkeit der Parteienlandschaft führt. Der Wähler weiß nicht mehr was oder wen er wählen soll, da er nicht mehr weiß, wer noch in seinem Sinne Entscheidungen fällt.

Um die dem Volk entrückte Demokratie heute wieder glaubwürdiger zu machen, wird es Zeit für etwas direkte Demokratie. Volksabstimmungen, zumindest zu wichtigen Themen, sollten eine gute Lösung sein. Dies wäre eine Möglichkeit den Bürger direkt mitbestimmen zu lassen und ihm Verantwortung zu übertragen und Mündigkeit zu beweisen. Ein großer Ertrag für das Selbstwertgefühl des Bürgers. Dies bedeutet aber gleichzeitig, dass der Bürger offen und ehrlich über Sachlagen und mit Hintergrundinformationen aufgeklärt wird. Nur so ist eine mündige Meinungsbildung überhaupt denkbar. Ein intransparenter Geheimklüngel, wie bei den Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP, ist dem Bürger nicht zuzumuten.

Partizipation ist ein verbreitetes Bedürfnis innerhalb der Gesellschaft. Bloße Anordnungen oder Kommandos reichen nicht mehr aus. Das Volk möchte in seinem Denken ernst genommen werden – auch wenn es nicht immer Recht haben mag.

Aber auch bei der Gestaltung des öffentlichen Lebens darf der Bürger mehr in die Verantwortung genommen werden. Wenn eine Gemeinde z.B. kein Geld für die Sanierung eines Schwimmbades hat, könnte man doch einfach mal in der Gemeinde nach Hilfe fragen. Das alte Motto „viele Hände, schnelles Ende“ könnte sich auch bei Aufgaben in der Gemeinde wieder etablieren. Es muss doch möglich sein, aus der Sanierung eines Bades ein kleines Bürgerfest zu machen, oder Spenden zu organisieren, jeder kann sicher einen Teil für die Lebensqualität in seiner Gemeinde aufbringen. Zumal eine gemeinsame Aktion zur Renovierung eines Bades verbindet und den Zusammenhalt in der Kommune stärkt. Selbst höhere Eintrittspreise müssten dann nicht unbedingt sein. Evtl. kann man für solche Projekte ein gewisses Maß an Sonderurlaubstagen legitimieren.

Anerkennung

Was lernen Manager u.a. in teuren Lehrgängen zum Thema Mitarbeitermotivation? Loben! Mitarbeiter deren Leistung durch ein Lob anerkannt wird, sind motivierter und dadurch leistungsfähiger. Lobend und bürgernah könnte auch unser Staat sein. So kennt man ihn aber leider nicht. Warum lobt der Staat nicht mal seine Bürger, wenn Sie 20, 30 oder über 40 Jahre im Berufsleben standen und es geschafft haben, ohne soziale Hilfen auszukommen? Wenn Sie lange Zeit ehrenamtlich für die Allgemeinheit tätig waren? Wenn Sie etwas Außerordentliches geleistet haben? Oder, wenn Sie einfach gute Menschen und Mitbürger sind?

Leistung sollte anerkannt und honoriert werden. Hier muss der Staat mehr Nähe zum Bürger erzeugen! In den Kommunen sollte mehr Engagement durch den Bürger beworben werden. Denn nur, wer auf andere zugeht, wird neue Freunde finden.

Im Gegenzug sollte kein Einsatz eben auch keine Belobigung erfahren. Alleine durch ihren Stand und ihre Herkunft haben es Kinder reicher Familien immer besser und einfacher, als andere Kinder. Die Bessergestellten haben seit jeher eine soziale Verantwortung den Mitarbeitern, der Gemeinde, der Gesellschaft gegenüber, die sowohl anerkennend als auch finanziell ausfallen kann. Wird diese Verantwortung wahrgenommen verdient dies ebenfalls öffentliche Anerkennung. Mit hoffentlich eben dieser Öffentlichkeitswirksamkeit, die das Wertebewusstsein der oberen Gesellschaftsschicht wieder vermehrt hin zur sozialen Verantwortung verschiebt.

Altruismus

In einer schnelllebigen Welt wird Zeit zu einem knappen Gut. Flexibilität führt oft zum Verlust sozialer Bindungen. Zudem vermehren sich aus verschiedenen Gründen Ängste und Sorgen in der Gesellschaft. Immer mehr Menschen ziehen sich in Ihre Wohnungen zurück, das Fernsehprogramm bestimmt den Abend. Das Vereinsleben stirbt langsam aus. Dorfplätze sind keine Orte der Begegnung mehr.

Dies alles führt zwangsläufig dazu, dass der Einzelne den Blick meist nur auf sein eigenes Leben zu richten vermag. Anderen Menschen zu helfen ist in unserer Gesellschaft unwichtig geworden.

Dieser egoistische Blick auf die Welt macht aber nicht glücklich. Wir müssen daher darüber nachdenken, wie wir unsere Mitmenschen wieder wahrnehmen, respektieren und unterstützen, wie wir wieder Mitgefühl, Empathie und Hilfsbereitschaft in die Gesellschaft bringen können und was der Staat zur Unterstützung leisten kann. Schwingende zwischenmenschliche Beziehungen, die resultierende Dankbarkeit und Freundschaft sind Faktoren, die glücklich machen.

Altruismus, die Fähigkeit also für das Wohl anderer zu handeln, sollte eine grundsätzliche Fähigkeit eines jeden Politikers sein, wie könnte man sonst ein solches Amt gut ausfüllen.

Sicherheit

Das Thema Sicherheit muss Außen- und Innenpolitisch betrachtet werden.

Innenpolitisch muss die Sicherheit aus der Gesetzgebung kommen. Es kann nicht sein, dass alle 4 Jahre mit neuer Regierung wieder neue Regulierungen kommen. Früher wußte man, die Rente ist sicher! Auch Arbeitsplätze schienen vorhanden zu sein, wenn man denn nur wollte – so das Credo. Diese Sicherheit muss wieder in die Köpfe der Bürger. Hierbei bin ich sehr für ein Grundeinkommen eines jeden mündigen Mitbürgers und für eine Verpflichtung der Politik zur Nachhaltigkeit. Evtl. sollte man auch die Legeslaturperioden verlängern…

Ein Grundeinkommen würde jedem Bürger schlagartig den Lebensdruck von den Schultern nehmen, da er abgesichert ist. Zeit für freiwillige, soziale oder ehrenamtliche Arbeit würde geschaffen. Viele könnten halbtags Arbeiten, was den Arbeitsmarkt zusätzlich entlasten würde. Zeit für Muse würde entstehen, was unweigerlich zu einer größeren Kreativen Leistung der Bevölkerung führen würde, was wiederum auch der Wirtschaft zu Gute kommen würde. Sozialhilfe, Arbeitslosengeld und die Rentenversicherung könnte abgeschafft werden. Abgeschafft werden könnte eine große Portion Bürokratie.

Außenpolitisch stellt sich mir die Frage in wieweit die alten Bündnisse noch zukunftsfähig sind, da es mir so erscheint, als würden diese Bündnisse heute Krieg in fremden Ländern führen. Sei es zur Liberalisierung der Bevölkerung oder zur Demokratisierung oder aus wirtschaflichen Erwägungen.

Früher hieß es einmal die Souveränität eine Landes ist unantastbar. Andere Länder dürften sich nicht unmittelbar durch Handlungen in die Innenpolitik souveräner Länder einmischen. Mehr und mehr stellt sich die westliche Welt als Heilsbringer dar und erhebt dabei den Anspruch oberster moralischer und politischer Instanz mit Urteilsgewalt. Die Lizenz zum Töten inbegriffen. Ich frage mich, wer die “zivilisierten” Länder im Westen dazu ermächtigt hat. Die UN, die einzige Institution, die in der Lage dazu wäre, wohl in den wenigsten Fällen. Warum führen wir nicht wieder das Todesurteil ein? Die moralische Urteilsgewalt hierfür scheinen westliche Politiker zu besitzen.

Respekt

Unglückliche Menschen können meist weniger freundlich zu anderen Menschen sein als es glückliche sein könnten. Da Unfreundlichkeit meist aber auch mit Respektlosigkeit einhergeht, ist das Wachstum der Respektlosigkeit am Maße unseres Glücksgefühls zu messen.

Externe Faktoren und Lebenserfahrungen prägen uns im Umgang mit anderen Menschen. Allgemeine Verhaltensregeln verlieren an Wert. Danken, Bitten, Grüßen, Helfen, Aufmuntern, ein Ohr schenken, Zeit investieren wird immer schwieriger, es geht mehr und mehr verloren.

Früher hatte der Unternehmer eine Verantwortung seiner Mitarbeiter gegenüber, der Mitarbeiter konnte sich im Gegenzug mit dem Unternehmen identifizieren und Leistung bringen. Heute heißt die Personalabteilung “Human Resources“. Wie die Wirtschaft also den Wert eines Menschen einschätzt zeigt sie uns unverhohlen. Eine Ressource sind wir, kein Personal, kein Individuum – kein Mensch, eher Maschine. Respektloser geht es wohl nicht mehr! Leistung muss dennoch gebracht werden, denn es gibt  andere, die den Job machen werden. Identifikation mit dem Unternehmen ist den meisten Unternehmern egal, wenn die Zahlen stimmen.

Wieviele gefrustete Arbeitslose gibt es, die sich von der Arbeitsagentur menschenunwürdig und erniedrigt behandelt vorkommen? Es gibt viele. Und haben die alle Unrecht? Hier müssten doch die, die Arbeit und Perspektive haben, denen, die aktuell keinen Halt im Leben haben, Menschlichkeit und Wärme entgegenbringen – stattdessen herrscht oft arrogante Obrigkeit, die einen minderwertig erscheinen lässt. Gerade hier, wo Menschen in Brot den Staat repräsentieren, muss der Staat mehr Wert auf Menschenwürde und Respekt legen. Hat der Staat keinen Respekt vor dem Bürger, wird es bald keinen Respekt mehr geben.

Freie Entfaltung

Zur freien Entfaltung gehört auch das Recht auf Selbstbestimmung, viele Bürger sehen sich hier stark eingeschränkt. Bestimmt kann man dies verbessern. Oberster Ratgeber bei allen politischen Entscheidungen sollte die Freiheit der Bürger sein. Hierbei sollte immer folgende Aussage Rousseaus bedacht werden:

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.
Jean-Jacques Rousseau, *28-Jun-1712, † 02-Jul-1778

Eine freie Marktwirtschaft kann vielleicht eine größere Freiheit und Entfaltung des Individuums ermöglichen als es eine gemeinwohlorientierte Politik tun könnte. Dies erfolgt aber auf Kosten sozialer Kälte und Vereinzelung. Außerdem, solange man in einer Gemeinschaft lebt, ist die Freiheit des Einzelnen dem Wohl der Gemeinschaft unterzuordnen. Ansonsten steigt in unserem derzeitigen Wirtschaftswachstumssystem mit der Freiheit der Reichen und Machtvollen, die Unfreiheit der Armen und Zurückgebliebenen.

Wenn heutzutage politisch argumentiert wird, spielt im Hinterkopf immer auch die Angst vor wirtschaftlichen Einbrüchen eine Rolle. Warum gilt die freie Entfaltung gleichermaßen für Unternehmer und in der Wirtschaft? Warum soll es schlecht sein, ein Geschäft nicht machen zu dürfen, wenn es dem Gemeinwohl schadet? Es ist sehr wohl sinnvoll, die Freiheit Einzelner Unternehmer beim Thema Glyphosat, Fraking, Massentierhaltung einzuschränken – zum Wohl des Volkes. Denn darum geht es doch ursprünglich in der Politik.

Freiheit in einer Gesellschaft kann für den Einzelnen nicht grenzenlos sein, insbesondere wenn derjenige große Macht hat. Grenzenlose Freiheit bedeutet dann auch grenzenlose Verantwortungslosigkeit. Deshalb gibt und gab es schon immer Gesetze und Regeln, die die Freiheit Einzelner eingeschränkt haben.