04/17/15

Die Menschenwürde

Die Menschenwürde ist unantastbar und gilt in der Philosophie als unser höchster Wert. Daher steht es so auch im ersten Artikel unseres Grundgesetzes. Aber man spricht nicht mehr über sie, es scheint nicht angebracht, nicht opportun.

Der Soziologe Hans Joas schreibt 1: „Würde kommt allen Menschen zu. Sie wird nicht durch Leistung erworben und kann nicht verwirkt werden.“ Kant spricht von der „Heiligkeit“ der Würde und fordert bei aller Relativierbarkeit deren unangreifbare – unantastbare – Geltung.

Die Menschenwürde soll selbstverständlich unserem System immanent sein, weshalb ein Nachdenken darüber in unserem Staat nicht notwendig zu sein scheint. Ansonsten müsste man grundsätzlich werden und die Märkte und die Politik beurteilen. Leiharbeiter oder Leibeigener, die Wörter sind nicht weit von einander entfernt – die Entwürdigung der Personen auch nicht. Die Maßstäbe für die Menschenwürde sind heute anders als vor 100 Jahren, weshalb ein Nachdenken darüber zu jeder Zeit und immer notwendig ist.

Die Menschenwürde muss allen Menschen gleichermaßen zu Teil werden und dies über Grenzen hinweg. Wenn wir wissen, dass in Bangladesch Menschen wegen unwürdiger Arbeitsbedingungen umkommen, nur weil sie Kleidung für uns herstellen. Dann hat das auch unseren Staat zu interessieren. Firmen, die das unterstützen und dort produzieren, gehören bestraft. Kleidung von dort verboten.

Quellen:

  1. Zeit- Spezial: „Was ist das gute Leben?“, Juni 2013
04/17/15

Das Glück

Wenn wir von Glück sprechen, dann denkt man oft an ein fortwährendes persönliches Lebensglück, dass sich uneingeschränkt und immer einstellt. Das wird innerhalb einer sozialen Gemeinschaft schwer zu erreichen sein, weil das eigene Lebensglück unweigerlich mit dem Glück der Mitmenschen zusammenhängt. Um ein glückliches Leben zu erreichen, muss das eigene Leben, sowie das Leben der Gesellschaft mit den universellen Werten übereinstimmen.

Zudem gibt es, gemäß der Lebensqualitätsforschung 1, über die Kulturen der Welt hinweg einheitliche Bedürfnisse zum Einstellen eines Glücksgefühls. Hierzu zählen Gesundheit, Familie, Freundschaft  und Lebenssinn, die für ein Glücksgefühl notwendig sind. Auch Bedürfnisse, wie Zeit, freie Entfaltung, Kreativität und Muße möchte ich hinzuzählen. Die Glücksforschung spricht bei zwischenmenschlichen Kontakten von mit Drähten verbunden „Resonanzachsen“, die durch Interaktion zum Vibrieren gebracht werden können. Je mehr sie schwingen, desto glücklicher das Leben.

Den Sinn im Leben muss jeder für sich finden. Für den Einen ist es die Familie, die Kunst oder die Firma und für den anderen z.B. die Altenpflege oder die Entwicklungshilfe. Der Staat hat nur die Aufgabe den Rahmen und die Möglichkeiten für die freie Suche zu schaffen. Es gibt Wegbereiter, wie z.B. Toleranz (im Zweifel für den Anderen entscheiden), Hilfsbereitschaft oder Mitgefühl. Die Erfahrung einer ehrlichen Dankbarkeit kann einen Menschen glücklich machen, für viele ist es der Lebenssinn geworden. Gerade auf der Ebene der Sinnerfahrungen zeigt sich, dass die Moral und die damit verbunden Werte ein „Mitspieler des Glücks“ sind. Ebenso zeigt sich, wer mit Solidarität, Gemeinsinn und Respekt handelt, gewinnt etwas Glück.

Ein Staat der sein Volk glücklich machen möchte, hat die Verpflichtung Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen. Dazu gehört auch, dass wieder über Glück gesprochen wird – auch in der Politik – daher diese Schrift.

Quellen:

  1. Zeit Spezial: „Was ist das gute Leben?, Juni 2013, S.14“)
04/17/15

Die Freiheit

Den wahren freien Menschen wird es nicht geben, denn solange man in einer Gesellschaft lebt, solange man mit Vernunft handelt oder solange man Bedürfnisse hat, muss man sich Zwängen unterordnen, die einem entgegen stehen. Es genügt, wenn der Mensch als Individuum vom Grundsatz her frei ist zu Handeln und Fehler zu machen. Hierzu zählen vor allem die Grundrechte, der Rede-, Versammlungs-, Religions-, Reise- und Meinungsfreiheit, sowie das Recht auf frei Entfaltung der Persönlichkeit. Es kommt auf das Gefühl der persönlichen Freiheit und das Maß an Selbstbestimmung an.

Man fühlt sich nicht frei, wenn man sein Leben nicht vollständig in der Hand hat und fremd bestimmt wird. Wie frei eine Gesellschaft wirklich ist, zeigt sich am unteren Ende der Gesellschaftsschichten. Daher sprechen Sie mit „Kunden“ der Jobagentur oder „Harzern“ darüber, wie frei sie in ihren Entscheidungen sind. Was Freiheit für sie bedeutet.

Und sprechen sie quer durch die Gesellschaftsschichten auch über Ängste, denn Angst macht unfrei. Angst belegt uns mit Zwängen. Über Ängste in der Gesellschaft liest und hört man viel. Altersarmut, sozialer Absturz der Mittelschicht, Jobverlust, Terrorismus um nur einige Ängste zu nennen, die uns von Politik und Medien stetig vor Augen geführt werden.

In einer liberalen Gesellschaft leben wir mit einem historisch hohen Maß an Freiheit. Diese Freiheit wird im Sinne des Marktes jedoch mehr und mehr eingeschränkt. Beispiel Privatsphäre: Spätestens seitdem feststeht, dass auch Frau Merkel von der NSA abgehört wurde, wissen wir, wir alle werden auf Schritt und Tritt verfolgt. Kameras werden installiert, Gesetze umgeschrieben, Befugnisse erweitert, biometrische Daten erfasst und unschuldige Bürger abgehört – von Institutionen einer Politik, die sich auf den Wert der Freiheit berufen möchte. Kontrolle macht Angst und steht daher im Konflikt mit der persönlichen Freiheit, es geht nicht beides. Daher halten wir es doch besser mit dem Wert der Freiheit und vergessen die Kontrolle.

Wer seine Bürger in Freiheit leben lassen möchte, der muss loslassen und seine Kinder bzw. Bürger unbeobachtet Fehler machen lassen und falsche Entscheidungen treffen lassen dürfen. Auch wenn sich der Bürger dabei „die Finger verbrennt“. Nur dann lernt, spürt und lebt der Mensch in Freiheit und nimmt sie auch wahr. Dann dürfen wir von einem mündigen Bürger sprechen.

Wer es ernst meint mit der Freiheit, der darf die freiheitlichen Bürgerrechte nicht durch Kontrollapparate einschränken, sondern muss sie erweitern und den Rahmen für ein unbeschwertes Leben schaffen indem man dem Bürger nachhaltig möglichst viele Ängste nimmt. Das ist Zuständigkeit des Staates.

04/17/15

Die Gerechtigkeit

Ungerechtigkeit macht unglücklich. Ohne Gerechtigkeit ist ein gutes und glückliches Leben nicht möglich. Gerechtigkeit in einer Gesellschaft bedeutet die Einhaltung von Werten und Normen und die Verteilung von Rechten und Pflichten auf alle Bürger zu gleichen Teilen. Es geht bei der Gerechtigkeit nicht nur um die Verteilung von Gütern, aber um die Schaffung von gleichen Voraussetzungen, Chancen und Absicherungen.

Ungerechtigkeiten gegenüber anderen Werten, wie z.B. der Natur, sind auszuschließen und gehören verboten.

Viele haben festegestellt oder spüren es: Mehr Kapitalismus, mehr Ungerechtigkeit! So einfach diese Wahrheit, so schwierig ein Abwenden vom Kapitalismus. So meint man. Wer aber wirklich dem Wohl des Volkes dienen möchte, der kann nicht länger seine Augen schließen und fordert deshalb weniger Kapitalismus und mehr Sozialismus. Gerechtigkeit muss wieder eine Tugend gesellschaftlicher Institutionen werden.

Es ist nicht gerecht, wenn man von seinem Einkommen 40% Steuern abgeben muss, ein mehrfacher Millionär aber nur 5%. Es ist nicht gerecht, wenn unbekannte Steuersünder für viele Jahre ins Gefängnis kommen und andere, Reiche, sich freikaufen können. Es ist nicht gerecht, wenn große Unternehmen und Banken Staatszuschüsse zur Insolvenzvermeidung erhalten, Tausende kleine und mittelständige Betriebe aber nicht.

Gerechtigkeit muss im Großen bei den Vorbildern, der Elite anfangen um im Volk ein Gespür für das Vorhandensein selbiger zu schaffen. Dies ist Vorraussetzung für ein gutes Leben. Daher ist der Bruch von Gesetzes und die Missachtung der Werte bei den Vorbildern, Prominenten und Großen unserer Gesellschaft von besonderer Schwere.

Gerechtigkeit lässt sich nicht biegen, sie ist unnachgiebig und direkt. Gleiches für Alle.

04/17/15

Die Ehrfurcht

Der Ehrfurcht wohnt ein Ideal eine Wahrheit inne, das unser eigenes Streben übersteigt. Daher hat Ehrfurcht auch einen religiösen Charakter. Sie bedingt Respekt, Freundlichkeit, Demut, Toleranz oder auch Vorsicht. Ehrfurcht kann uns Halt geben und helfen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Vor Allem sollten wir Ehrfurcht vor dem Leben und der Natur selbst haben, ohne die es keine Existenz gäbe. Dann natürlich die universellen Werte, die ein gutes Zusammenleben ermöglichen. Dann die Geschichte, die uns lehrend zur Seite steht und natürlich auch die Spiritualität des Menschen, die in unserer hochentwickelten Zivilisation nicht mehr gesellschaftsfähig scheint und neuen Religionen gewichen ist – dem Kapitalismus etwa in Form des Glaubens an die Heilsbringung des Wirtschaftswachstums oder dem Neoliberalismus, dem Grenzen durch die guten Sitten, sprich durch Anstand, Respekt, Mitgefühl, etc. gesetzt werden müssen.

Die Philosophin Susan Neiman schreibt: Wir leben in einem Augenblick, „ in dem der Neoliberalismus selbst religiöse Züge annimmt und uns weismachen will, wir lebten in der besten aller möglichen Welten und zu dieser gäbe es keine Alternative. […] Eine Gesellschaft, die nicht in der Lage ist, Kindern das Gefühl zu geben, das erwachsene Leben habe einen Sinn, der über die Anhäufung von Konsumgütern hinausgeht, wird scheitern.“ 1

Ich möchte hier klarstellen, dass die Ehrfucht nicht zu einem Erstarken der Religion führen darf. Im Staatsgefüge darf kein Platz für Religion sein. Der Staat ist neutral. Denn Religion führt zu Leidenschaft, Leidenschaft führt zu Unbeständigkeit und Unbeständigkeit führt nicht zum Guten Leben und letztendlich zur Instabilität.

Wer ehrfürchtig ist, vermeidet Fehler zu machen und bedenkt Veränderungen und Fortschritt zuvor mehrfach. Fortschritt zu entschleunigen ist aber kein Fehler, sondern eine Chance für den Erhalt der Menschlichkeit. Entschleunigung dient der Beständigkeit und dem Wohl des Volkes.

Quellen:

  1. Die Zeit Nr.25,  „Was ist das gute Leben“, S. 20, Juni 2013
09/7/12

Die Natur

Die Natur ist die Wurzel allen Seins. Ohne Natur gäbe es keine menschliche Existenz, daher ist die Natur von höchstem Wert und höchster Wert an sich. Der Mensch kann sich nicht über sie stellen ohne sie gleichzeitig zu zerstören. In diesem Sinne muss der Mensch erkennen, dass er nicht wichtiger ist als die Natur.

Der Mensch als Teil der Natur ist auch selbst Natur. Wenn dieser kleine Teil aber das für ihn lebenswichtige Ganze gefährdet oder zerstört, ist er krankhaft und schadhaft und gehört vom Ganzen ausgeschlossen. Ähnlich einem Krebsgeschwür, welches auch Teil des Menschen ist, aber dennoch entfernt wird. Der Mensch ist nicht wichtiger als die Natur, weshalb sich der Mensch in Demut und Respekt der Natur unterordnen soll. Alle Entscheidungen müssen mit Bedacht im Sinne der Erhaltung der Natur – unserer Lebensgrundlage – gefällt werden.

Die Befähigung des Menschen etwas tun zu können, rechtfertigt noch lange nicht es auch wirklich zu tun!

Das potenzielle Wachstum der Menschheit führt zwangsläufig zur Vernichtung unserer Lebensgrundlage. In unseren Wäldern wird die Population der Wildschweine oder Füchse stets überwacht. Werden es zu viele, so dass Sie das Gleichgewicht im Wald gefährden, gibt der Förster ein gewisses Kontingent zum Abschuss frei um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Wenn wir also eingesehen haben, dass der Mensch sich selbst seiner Lebensgrundlage beraubt und dies schlußendlich aus Gründen des Bevölkerungswachstum, dann müssen wir auch einsehen, dass wir die Zahl der Menschen auf unserem Planeten verringern müssen. Deshalb müssen wir zukünftig auch über Geburtenkontrolle sprechen. Denn vor Natur und Gott ist das kontrolliert lebende Wildschwein nicht mehr oder weniger Wert als der unkontrolliert wuchernde Mensch.

Der Mensch hat die Atombombe entwickelt und auch abgeworfen. Er hat sich an den Rand einer nuklearen Katastrophe gebracht. Er führt Kriege und bringt damit Zerstörung. Wirtschaftswachstum als Staatsprämisse schließt ein Leben im Einklang mit der Natur aus. Der Mensch bescherte uns die Klimakatastrophe (Erderwärumg, Treibhauseffekt, Ozonloch). Der Mensch ist von daher selbstzerstörerisch.

All dies muss verantwortet werden von der sogenannten „zivilisierten“ Welt. Genau von den Staaten und Ländern also, die sich Freiheit und moralische Werte auf die Fahnen geschrieben haben und weiterhin glauben, diese Werte durch Kriege und Globalisierung in die Welt tragen zu dürfen. Tatsächlich zeigt sich aber durch die Handlungen der industrialisierten Mächte, dass es mit dessen moralischen Werten nicht weit her ist.  Von der Achtung der Natur gar nicht gesprochen.

Das der Mensch in der Lage ist, weise und besonnen Entscheidungen im Sinne der Natur zu treffen, hat er bisher nicht unter Beweis gestellt und darf auch für die Zukunft stark bezweifelt werden. Menschlicher Fortschritt muss daher kritisch betrachtet werden und im Einklang mit der Natur stattfinden. Eine moralische Institution muss mit Hilfe von Selbstkritik politische Entscheidungen hinterfragen.

Entscheidungen müssen im Zweifel für die Natur und gegen den Fortschritt gefällt werden. Egal ob Fracking, Gentechnik oder Atomstrom – Entscheidung, die der Natur zu wieder laufen, da sie durch große Gefahren den Lebensraum unserer Gesellschaft gefährden, dürfen nicht akzeptiert werden. Der Mensch und damit die industrialisierten Länder, müssen sich in Demut und Respekt vor der Natur verneigen und Abbitte leisten.

Ausprägungen des moralischen Anthropozentrismus sind 1:

  • Basic-Needs-Argument: Der Mensch ist als Mensch auf die Natur angewiesen. Die Natur zu schützen ist erforderlich, um die menschlichen Lebensgrundlagen zu sichern.
  • ästhetisches Argument: Die Natur ist einzigartig und für den Menschen unverzichtbar. Von materiellen Belangen abgesehen braucht der Mensch die Natur, um gut und glücklich leben zu können.
  • pädagogisches Argument: Die Natur respektvoll zu behandeln und mit ihr gut umzugehen erzieht den Menschen zu einem friedvolleren und besseren Umgang mit anderen Menschen.

 

Quellen:

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Anthropozentrismus