Einheitliche Wertebasis

Möchte man über Werte sprechen, muss man über die ewigen Fragen der Menschheit nachdenken. Antworten der Geschichte hierzu kamen zumeist durch große Philosophen, die bis heute bekannt sind. Leider hört heute niemand mehr auf die Philosophen unserer Zeit oder der Vergangenheit.

Wer spricht heute noch öffentlich über Philosophie? Wer diskutiert über grundlegende Wahrheiten, über Werte? Wer kontrolliert die Einhaltung und Beständigkeit universeller Werte? Genügt das Grundgesetz als Kontrollinstanz? Hört man Politiker ihre Entscheidungen auf Werte gründen oder eher auf Erwägungen wirtschaftlicher Prognosen?

Philosophisches Denken scheint unzeitgemäß und findet heute kein Gehör. Die Gesellschaft funktioniert. 1 Es ist, als wären alle philosophischen Fragen der Menschheit geklärt, eine Verbesserung nicht notwendig. Jedenfalls nicht notwendig für die führende Riege unseres Parteienspektrums, die das heutige System über die Jahrzehnte etabliert hat. Dabei ist in einem ausufernden kapitalistischen System eine Betrachtung der universellen und grundlegenden Werte unserer Gesellschaft unabdingbar. Es sind nicht viele und sie sollten leicht im Fokus der Parlamentarier bleiben können.

Denn nur die Fragen, die sich die Menschheit auf der ganzen Welt seit jeher stellen, sind von entscheidender Bedeutung, denn nur deren Beantwortung verspricht Hoffnung auf universelle Wahrheiten. Hierbei geht es z.B. um Begriffe wie Würde, Glück, Freiheit, Gerechtigkeit und Natur. Begriffe, die sinnvoller Weise von den Denkern der Nachkriegszeit in den Artikeln unseres Grundgesetzes verankert wurden – also wichtig sind. Völker rund um den Globus und zu allen Zeiten erachten diese Werte als zentrale Voraussetzung für ein gutes gesellschaftliches Leben, weshalb ich diese Werte als universell bezeichnen möchte.

Die universellen Werte sollen die Grundpfeiler und die Ideale eines Staates sein und befinden sich von daher außerhalb eines Pluralismus. D.h. Moral, Lehren, Gesetze, Ideen und Anschauungen müssen von diesen universellen Werten durchdrungen sein. 2

Es wäre anmaßend so zu tun, als hätte man das bestmögliche demokratische Sozial- oder Gesellschaftssystem gefunden oder zu sagen, es gäbe keine Alternative.

Werte bilden die Richtschnur unseres Handelns auf dem Weg in ein gutes und glückliches gesellschaftliches Leben. Normen und die „guten Sitten“, sind konkrete von den Werten abgeleitete Regeln für eine funktionierende Gesellschaft. Der Wert Freiheit findet sich z.B. in der Norm „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“, Artikel 2 des Grundgesetzes.

Fragen nach der Religion oder der Liebe zum Beispiel bilden keinen Beitrag zu den universellen Werte und sind nur am Rande von Belang. Über den Globus verteilt gibt es hierzu die unterschiedlichsten Einstellungen, weshalb sie uns bei der gesellschaftspolitischen Betrachtung nicht dazu dienen, ein Handeln für die Politik unserer Zeit daran abzuleiten. Wir begegnen diesen Werten aber mit Respekt und Toleranz.

Werte pflegen sich nicht von alleine. Sie ändern sich über die Generationen, werden vom Markt verändert und geraten auch in Vergessenheit. Es kommt zu einem Wertewandel, über den glücklicherweise in neuester Zeit mehr und mehr gesprochen wird. Ein Beispiel: Als der Mensch in der Geschichte wenig hatte, war Bescheidenheit ein hoher Wert, der Respekt und Ansehen einbrachte. Wer heute wenig hat, denkt selten an Bescheidenheit, weil Respekt und Ansehen heute dem gilt, der viel hat. Bescheidenheit widerspricht sich mit dem von der Elite vorgelebten Ideal des unbeschränkten Wachstums durch Konsum. Werte werden manipuliert. Wer konsumiert aber, wenn alle genügsam und bescheiden leben würden? Ein respektvoller Umgang mit Mensch und Natur bedingt Demut und Bescheidenheit.

Wirtschaftswachstum ist ein künstlicher Wert des Kapitalismus. Für die Politik und vordergründig zum Wohl des Volkes, da das Heil in einer Utopie der Vollbeschäftigung gesucht wird. Über Wirtschaftswachstum spricht man vermehrt erst seit ca. 250 Jahren.  Seit der ersten industriellen Revolution. Menschen können auch ohne Wirtschaftswachstum ein gutes Leben führen. Dem Glück der Einzelnen, dem Wohl des Volkes dient Wirtschaftswachstum in zunehmendem Maße jedoch nicht mehr. Er scheint dem Ziel eher entgegen zu stehen, denn trotz permanenten Wirtschaftswachstums gibt es sehr viele Arbeitslose und die, die Arbeit haben sind mehr und mehr unglücklich.

Das Wohl des Volkes bedingt im Mindesten die Achtung aller universellen Werte. Ohne diese Prämisse ist kein gutes Leben möglich. Für die Einhaltung und Durchsetzung dieser Prämisse ist der Staat verantwortlich. Die etablierten Parteien unserer Zeit repräsentieren jedoch eine Politik, die für Wachstum und freie Märkte und damit für Privatisierung, ausufernde Märkte und herbe soziale Einschnitte steht. Der Staat, unsere drei Gewalten Legislative, Judikative und Exekutive sind dem System Kapitalismus auf Kosten der Menschen erlegen. Moralische Werte geraten zu Gunsten von marktbasierter Werte in Vergessenheit, weshalb eine wertebasierte Kontrollinstanz über der Gewaltenteilung notwendig wird, die Handlungen auf Grund unserer Werte und der guten Sitten beurteilt.

Heute wird alles, was legal ist, auch getan. Deswegen benötigen wir eine zusätzliche Kontrollinstanz, denn nicht alles, was man tut, ist anständig und moralisch zu rechtfertigen.

Unser Staat kennt nachfolgende Werte schon – es sind gerade die Werte, auf die die „zivilisierte“ Welt so stolz ist und sie gleichsam scheinheilig und totalitär ausnutzt. So zieht er aus den Werten vordergründig Rechtfertigungen für die Missachtung von Würde, Menschenrechten und Kriegen. Guantánamo, ohne Verfahren werden dort Menschen seit nun bald zwei Jahrzehnten festgehalten und zwangsernährt, falls sie in den Hungerstreik treten. Unsere Bürger und Politiker werden von Geheimdiensten überwacht. Drohnen morden ohne Verhandlung. Dies ist nichts worauf man stolz sein könnte und doch tolerieren und verantworten es genau die Staaten, die ihren Stolz auf die freiheitlichen Werte begründen.

Die Natur

Wenn der Mensch weiterhin glaubt, er dürfe oder müsse ich die Natur untertan machen, wie es in der Bibel gefordert ist, wird er irgendwann spüren, wie die Natur den Menschen unterwirft. Wir müssen uns heute von dieser antiken Anschauung vehement distanzieren und sie ins Gegenteil kehren. Der Mensch soll Natur und Umwelt als Lebensgrundlage aller Lebewesen respektieren. Der Mensch ist ein Lebewesen von vielen auf nur einer Erde.

Die Natur ist die Wurzel allen Seins. Ohne Natur gäbe es keine menschliche Existenz, daher ist die Natur von höchstem Wert und höchster Wert an sich. Der Mensch kann sich nicht über sie stellen ohne sie gleichzeitig zu zerstören. In diesem Sinne muss der Mensch erkennen, dass er nicht wichtiger ist als die Natur. Bei allen Entscheidungen muss sich der Mensch der Natur unterordnen, damit wir unsere Lebensgrundlage erhalten und regenerieren können. Ich möchte dabei anmerken, dass es Wissenschaftler gibt, die glauben, dass der vom Menschen eingeleitete Zerstörungsprozess nicht mehr aufzuhalten ist, daher sollten wir sicherheitshalber davon ausgehen, dass es für ein Handeln höchste Zeit ist.

Der Mensch als Teil der Natur ist auch selbst Natur. Wenn dieser kleine Teil aber das für ihn lebenswichtige Ganze gefährdet oder zerstört, ist er krankhaft und schadhaft und gehört vom Ganzen ausgeschlossen. Ähnlich einem Krebsgeschwür, welches auch Teil eines Menschen sein kann, aber dennoch entfernt wird. Der Mensch ist nicht wichtiger als die Natur, weshalb sich der Mensch in Demut und Respekt der Natur unterordnen soll. Alle Entscheidungen müssen mit Bedacht im Sinne der Erhaltung der Natur – unserer Lebensgrundlage – gefällt werden. Wenn wir erkennen, dass zu viele Menschen für alle auf dem Planeten ungesund sind, müssen wir weniger werden.

Die Befähigung des Menschen etwas tun zu können, rechtfertigt noch lange nicht es auch tun zu dürfen – vor allem nicht, wenn es der Natur schadet. Vielmehr müssen wir um die Natur und damit unseren Lebensraum zu sichern viel mehr für den Klimaschutz tun als bisher. Dazu gehört nicht nur die Klimaschutzziele zu erfüllen, sondern mehr als das zu machen. Denn es werden Menschen und ihre Rechte in naher Zukunft derart vom Klimawandel eingeschränkt werden, dass sie in Ihren Grundrechten wie Leben, Berufsfreiheit oder Eigentum verletzt werden. Aus diesem Grund gibt es eine Initiative mit einer kollektiven Klage gegen die Europäische Union, die daraus eine Art Menschenrecht auf Klimaschutz ableitet. Die EU und auch Deutschland tun nicht genug für den Klimaschutz und damit für das Volk. Die Klage wurde zugelassen.

Das potenzielle Wachstum der Menschheit führt zwangsläufig zur Vernichtung unserer Lebensgrundlage. In unseren Wäldern wird die Population der Wildschweine oder Füchse stets überwacht. Werden es zu viele, so dass Sie das Gleichgewicht im Wald gefährden, gibt der Förster ein gewisses Kontingent zum Abschuss frei um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Wenn wir also eingesehen haben, dass der Mensch sich selbst seiner Lebensgrundlage beraubt und dies schlussendlich auch aus Gründen des Bevölkerungswachstums bzw. der Überbevölkerung, dann müssen wir auch einsehen, dass wir die Zahl der Menschen auf unserem Planeten verringern müssen. Deshalb müssen wir zukünftig auch über Geburtenkontrolle sprechen dürfen und darüber diskutieren, ob das Kindergeld als Anreiz zum Kinderkriegen überhaupt noch zeitgemäß ist.

Vor der Natur ist das kontrolliert lebende Wildschwein nicht mehr oder weniger Wert als der unkontrolliert wuchernde Mensch.

Der moderne moralische Mensch hat die Atombombe entwickelt und auch abgeworfen. Er hat sich an den Rand einer nuklearen Katastrophe gebracht. Er vernichtet die Regenwälder und verschmutz die Erde, das Wasser und die Luft, er führt Kriege und bringt damit Zerstörung und Tod für alle Lebewesen. Wirtschaftswachstum als Staatsprämisse schließt ein Leben im Einklang mit der Natur aus, da Wachstum auf dem Abbau von Ressourcen und damit der Ausbeutung der Natur beruht. Der Mensch bescherte uns die Klimakatastrophe (Erderwärmung, Treibhauseffekt, Ozonloch). Der Mensch ist selbstzerstörerisch.

All dies muss verantwortet werden von der sogenannten „zivilisierten“ Welt. Genau von den Staaten und Ländern also, die sich Freiheit und moralische Werte auf die Fahnen geschrieben haben und weiterhin glauben, diese Werte durch Kriege und Globalisierung in die Welt tragen zu dürfen. Tatsächlich zeigt sich aber durch die Handlungen der industrialisierten Mächte, dass es mit dessen moralischen Werten nicht weit her ist.  Von der Achtung der Natur gar nicht gesprochen.

Das der Mensch in der Lage ist, weise und besonnen uneigennützige Entscheidungen im Sinne der Natur zu treffen, hat er bisher nicht nachhaltig unter Beweis gestellt und darf auch für die Zukunft stark bezweifelt werden. Menschlicher Fortschritt muss daher kritisch betrachtet werden und im Einklang mit der Natur stattfinden.

Eine neue moralische Institution muss mit Hilfe von ehrfürchtiger Selbstkritik und einheitlichen Werten politische Entscheidungen hinterfragen. Entscheidungen müssen im Zweifel für die Natur und gegen den Fortschritt gefällt werden. Egal ob Fracking, Massentierhaltung oder Atomstrom – Entscheidungen, die der Natur zu wieder laufen, da sie durch große Gefahren den Lebensraum unserer Gesellschaft gefährden, dürfen nicht akzeptiert werden. Der Mensch und damit die industrialisierten Länder, müssen sich in Demut und Respekt vor der Natur verneigen und Abbitte leisten.

All diese Gedanken finden wir in den Ausprägungen des moralischen Anthropozentrismus 1:

  • Basic-Needs-Argument: Der Mensch ist als Mensch auf die Natur angewiesen. Die Natur zu schützen ist erforderlich, um die menschlichen Lebensgrundlagen zu sichern.
  • ästhetisches Argument: Die Natur ist einzigartig und für den Menschen unverzichtbar. Von materiellen Belangen abgesehen braucht der Mensch die Natur, um gut und glücklich leben zu können.
  • pädagogisches Argument: Die Natur respektvoll zu behandeln und mit ihr gut umzugehen erzieht den Menschen zu einem friedvolleren und besseren Umgang mit anderen Menschen.

 

Quellen:

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Anthropozentrismus

Die Menschenwürde

Die Menschenwürde ist unantastbar und gilt in der Philosophie als unser höchster Wert. Daher steht es so auch im ersten Artikel unseres Grundgesetzes. Aber man spricht nicht mehr über sie, es scheint nicht angebracht, nicht opportun.

Der Soziologe Hans Joas schreibt 1: „Würde kommt allen Menschen zu. Sie wird nicht durch Leistung erworben und kann nicht verwirkt werden.“ Kant spricht von der „Heiligkeit“ der Würde und fordert bei aller Relativierbarkeit deren unangreifbare – unantastbare – Geltung.

Die Menschenwürde soll selbstverständlich unserem System immanent sein, weshalb ein Nachdenken darüber in unserem Staat nicht notwendig zu sein scheint. Ansonsten müsste man grundsätzlich werden und die Märkte und die Politik danach beurteilen. Leiharbeiter oder Leibeigener, die Wörter liegen genauso nah beieinander wie die Entwürdigung der Personen. Die Maßstäbe für die Menschenwürde sind heute anders als vor 100 Jahren, weshalb ein Nachdenken darüber zu jeder Zeit und immer notwendig ist.

Die Menschenwürde muss allen Menschen gleichermaßen zu Teil werden und dies über Grenzen hinweg. Wenn wir wissen, dass in Bangladesch Menschen wegen unwürdiger Arbeitsbedingungen umkommen, nur, weil sie Kleidung für uns herstellen. Dann hat das auch unseren Staat zu interessieren. Firmen, die das unterstützen und dort produzieren, müssen bestraft werden. Kleidung von dort gehört verboten.

Quellen:

  1. Zeit- Spezial: „Was ist das gute Leben?”, Juni 2013

Das Glück

Wenn wir von Glück sprechen, dann denkt man oft an ein fortwährendes persönliches Lebensglück, dass sich uneingeschränkt und immer einstellt. Das wird innerhalb einer sozialen Gemeinschaft schwer zu erreichen sein, weil das eigene Lebensglück unweigerlich mit dem Glück der Mitmenschen zusammenhängt. Um ein glückliches Leben zu erreichen, muss das eigene Leben, sowie das Leben der Gesellschaft mit den universellen Werten übereinstimmen.

Zudem gibt es, gemäß der Lebensqualitätsforschung 1, über die Kulturen der Welt hinweg einheitliche Bedürfnisse zum Einstellen eines Glücksgefühls. Hierzu zählen Gesundheit, Familie, Freundschaft und Lebenssinn, die für ein Glücksgefühl notwendig sind. Auch Bedürfnisse, wie Zeit, freie Entfaltung, Kreativität und Muße möchte ich hinzuzählen. Die Glücksforschung verbildlicht zwischenmenschliche Kontakte durch verbundene Drähte oder „Resonanzachsen“, die durch Interaktion zum Vibrieren gebracht werden können. Je mehr sie schwingen, desto glücklicher das Leben. Lebendige Kontakte sind danach sehr wichtig für ein persönliches Wohlbefinden.

Den Sinn im Leben muss jeder für sich finden. Für den Einen ist es die Familie, die Kunst oder die Firma und für den anderen z.B. die Altenpflege oder die Entwicklungshilfe. Der Staat hat nur die Aufgabe den Rahmen und die Möglichkeiten für die freie Suche zu schaffen. Es gibt Wegbereiter, wie z.B. Toleranz (im Zweifel für den Anderen entscheiden), Hilfsbereitschaft oder Mitgefühl. Die Erfahrung einer ehrlichen Dankbarkeit kann einen Menschen glücklich machen. Für viele ist es der Lebenssinn geworden. Gerade auf der Ebene der Sinnerfahrungen zeigt sich, dass die Moral und die damit verbundenen Werte ein „Mitspieler des Glücks“ sind. Ebenso zeigt sich, wer mit Solidarität, Gemeinsinn und Respekt handelt, gewinnt etwas Glück.

Ein Staat der sein Volk glücklich machen möchte, hat die Verpflichtung Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen. Dazu gehört auch, dass wieder mehr über Glück gesprochen wird – auch in der Politik – daher diese Schrift.

Quellen:

  1. Zeit Spezial: „Was ist das gute Leben?, Juni 2013, S.14“)

Die Freiheit

Den wahren freien Menschen wird es nicht geben, denn solange man in einer Gesellschaft lebt, solange man mit Vernunft handelt oder solange man Bedürfnisse hat, muss man sich Zwängen unterordnen, die einem entgegenstehen. Es genügt, wenn der Mensch als Individuum vom Grundsatz her frei ist zu Handeln und Fehler zu machen. Hierzu zählen vor allem die Grundrechte, der Rede-, Versammlungs-, Religions-, Reise- und Meinungsfreiheit, sowie das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Es kommt auf das Gefühl der persönlichen Freiheit und das Maß an Selbstbestimmung an.

Freiheit ist einer der wichtigsten Glücksfaktoren. Fehlt dieser ist ein glückliches Leben nicht möglich. Viele Freiheiten sind daher per Grundgesetz definiert worden.

Freiheit ist wichtiger als Sicherheit. Auch, wenn Menschen aufgrund fehlender Sicherheit zu Schaden kommen sollten, so ist das Gefühl der freien Selbstbestimmung einhergehend mit einer fehlenden Kontrolle oder Überwachung für Millionen von Menschen wichtiger. Schleichend werden die Grundrechte bzw. Freiheitsrechte immer mehr aus Gründen der Sicherheit eingeschränkt. Angst ist jedoch ein schlechter Garant für die Freiheit und wer mit Sicherheit wirbt macht Angst vor dem, was kommen mag.

Furcht besiegt mehr Menschen als irgendetwas anderes auf der Welt.   
Ralph Waldo Emerson, *25-Mai-1803, † 27-Apr-1882

Aussagen von Politikern, die von Veränderungen wegen der inneren Sicherheit des Landes sprechen, müssen mit Vorsicht aufgefasst werden, da die Veränderungen meist auch Einschränkungen der persönlichen Freiheit mit sich bringen. Freiheit als universeller Wert muss immer wichtiger sein als Sicherheit.

Man fühlt sich nicht frei, wenn man sein Leben nicht vollständig in der Hand hat und fremd bestimmt wird. Wie frei eine Gesellschaft wirklich ist, zeigt sich am unteren Ende der Gesellschaftsschichten. Daher sprechen Sie mit „Kunden“ der Jobagentur oder „Harzern“ darüber, wie frei sie in ihren Entscheidungen sind. Was Freiheit für sie bedeutet.

Und sprechen sie quer durch die Gesellschaftsschichten auch über Ängste, denn Angst macht unfrei. Angst belegt uns mit Zwängen. Über Ängste in der Gesellschaft liest und hört man viel. Altersarmut, sozialer Absturz, Jobverlust, Terrorismus um nur einige Ängste zu nennen, die uns von Politik und Medien stetig vor Augen geführt werden.

In einer liberalen Gesellschaft leben wir mit einem historisch hohen Maß an Freiheit. Diese Freiheit wird im Sinne des Marktes jedoch mehr und mehr eingeschränkt. Beispiel Privatsphäre: Spätestens seitdem feststeht, dass auch Frau Merkel von der NSA abgehört wurde, wissen wir, wir alle werden auf Schritt und Tritt verfolgt. Kameras werden installiert, Gesetze umgeschrieben, Befugnisse erweitert, biometrische Daten erfasst und unschuldige Bürger abgehört – von Institutionen einer Politik, die sich auf den Wert der Freiheit berufen möchte. Kontrolle macht Angst und steht daher im Konflikt mit der persönlichen Freiheit – es geht nicht beides. Daher halten wir es doch besser mit dem Wert der Freiheit und vergessen die Kontrolle.

Wer seine Bürger in Freiheit leben lassen möchte, der muss loslassen und seine Bürger wie Kinder unbeobachtet Fehler machen lassen und falsche Entscheidungen treffen lassen. Auch wenn sich der Bürger dabei „die Finger verbrennt“. Nur dann lernt, spürt und lebt der Mensch in Freiheit und nimmt sie auch wahr. Nur dann dürfen wir von einem mündigen Bürger sprechen.

Wer es ernst meint mit der Freiheit, der darf die freiheitlichen Bürgerrechte nicht durch Kontrollapparate einschränken, sondern muss sie erweitern und den Rahmen für ein unbeschwertes Leben schaffen. Dies indem man dem Bürger nachhaltig möglichst viele Ängste abnimmt. Das ist die Aufgabe des Staates.

Die Ehrfurcht

Der Ehrfurcht wohnt ein Ideal eine Wahrheit inne, welches unser eigenes Streben übersteigt. Daher hat Ehrfurcht auch einen angeboren ethischen Charakter. Sie bedingt Respekt, Mitgefühl, Achtsamkeit, Güte, Demut, Toleranz oder auch Vorsicht. Diese ethischen Werte sind allen Menschen angeboren und in jeder Gesellschaft beheimatet. Albert Schweitzer nannte dies „Ehrfurcht vor dem Leben“.

Um diese universelle Verantwortung zu präzisieren, sollten wir Ehrfurcht nicht nur vor dem Leben, sondern vor der Natur selbst haben, ohne die es keine Existenz gäbe und die Grundlage unseres Lebens bildet. Täglich rottet der Mensch 100 Tier- und Pflanzenarten aus.

Ehrfurcht auch vor den universellen Werten, die ein gutes Zusammenleben ermöglichen. Dann Ehrfurcht vor der Geschichte, die uns lehrend zur Seite steht und natürlich auch die Spiritualität des Menschen, die in unserer hochentwickelten Zivilisation nicht mehr gesellschaftsfähig scheint und neuen Religionen gewichen ist – dem Kapitalismus etwa in Form des Glaubens an die Heilsbringung des Wirtschaftswachstums oder dem Neoliberalismus, dem Grenzen durch die guten Sitten, sprich durch Anstand, Respekt, Mitgefühl etc. gesetzt werden müssen.

Die Philosophin Susan Neiman schreibt: Wir leben in einem Augenblick, „in dem der Neoliberalismus selbst religiöse Züge annimmt und uns weismachen will, wir lebten in der besten aller möglichen Welten und zu dieser gäbe es keine Alternative. […] Eine Gesellschaft, die nicht in der Lage ist, Kindern das Gefühl zu geben, das erwachsene Leben habe einen Sinn, der über die Anhäufung von Konsumgütern hinausgeht, wird scheitern.“ 1

Ich möchte hier klarstellen, dass die Ehrfurcht nicht zu einem Erstarken der Religion führen darf. Im Staatsgefüge darf kein Platz für Religion sein. Der Staat ist neutral. Denn Religion führt zu Leidenschaft, Leidenschaft führt zu Unbeständigkeit und Unbeständigkeit führt nicht zum Guten Leben und letztendlich zur Instabilität. Religionen sind intolerant, da sie nur sich selbst als Wahrheit zulassen. Alle Religionen bergen ein Gewaltpotential in sich. Bis heute werden seit Jahrtausenden Kriege im Namen der Religion gefochten.

Der Dalai Lama, selbst ein Religionsführer, sagt über Religion: „Wir kommen nicht als Mitglied einer Religion auf die Welt. Aber Ethik ist uns angeboren.“ Somit ist Religion anerzogen und Kind unseres Lebensumfeldes. Statt Religion sollten Kinder Moral und Ethik lernen. Denn, so die Worte des Religionsführers: „Ethik ist wichtiger als Religion.“

Ehrfurcht kann uns Halt geben und helfen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wer ehrfürchtig ist, vermeidet Fehler zu machen und bedenkt Veränderungen und Fortschritt zuvor mehrfach. Fortschritt zu entschleunigen ist aber kein Fehler, sondern eine Chance für den Erhalt der Menschlichkeit. Entschleunigung dient der Beständigkeit und dem Wohl des Volkes.

Quellen:

  1. Die Zeit Nr.25,  „Was ist das gute Leben“, S. 20, Juni 2013

Die Gerechtigkeit

Ungerechtigkeit macht unglücklich. Ohne Gerechtigkeit ist ein gutes und glückliches Leben nicht möglich. Gerechtigkeit in einer Gesellschaft bedeutet die Einhaltung von Werten und Normen und die Verteilung von Rechten und Pflichten auf alle Bürger zu gleichen Teilen. Es geht bei der Gerechtigkeit nicht nur um die Verteilung von Gütern, aber um die Schaffung von gleichen Voraussetzungen, Chancen und Absicherungen.

Ungerechtigkeiten gegenüber anderen Werten, wie z.B. der Natur, sind auszuschließen und gehören verboten.

Viele haben festegestellt oder spüren es: Mehr Kapitalismus, mehr Ungerechtigkeit! So einfach diese Wahrheit, so schwierig ein Abwenden vom Kapitalismus. So scheint es. Wer aber wirklich dem Wohl des Volkes dienen möchte, der kann nicht länger seine Augen schließen und fordert deshalb weniger Kapitalismus und mehr Gemeinwohl. Gerechtigkeit muss wieder eine Tugend gesellschaftlicher Institutionen werden.

Es ist nicht gerecht, wenn man von seinem erarbeiteten Einkommen 40% Steuern abgeben muss, ein Multimillionär aber nur 30% auf Kapitaleinkünfte, für die er lediglich Geld haben muss. Es ist nicht gerecht, wenn unbekannte Steuersünder für viele Jahre ins Gefängnis kommen und sich prominente Persönlichkeiten gleichzeitig von Steuervergehen freikaufen können. Es ist nicht gerecht, wenn große Unternehmen und Banken Staatszuschüsse zur Insolvenzvermeidung erhalten, Tausende kleine und mittelständige Betriebe aber nicht.

Gerechtigkeit muss im Großen bei den Vorbildern, der Elite anfangen um im Volk ein Gespür für das Vorhandensein selbiger zu schaffen. Dies ist Vorraussetzung für ein gutes Leben. Daher ist der Bruch von Gesetzes und die Missachtung der Werte bei den Vorbildern, Prominenten und Großen unserer Gesellschaft von besonderer Schwere.

Gerechtigkeit lässt sich nicht biegen, sie ist unnachgiebig und direkt. Gleiches für Alle – soweit möglich. Das es immer Leute geben wird, die sich ungerecht behandelt fühlen liegt in der Natur der Sache, doch sollte sie möglichst nie die Mehrheit bilden.