Zinsen

Von Herr Maier

Ein auf Zinsen basiertes Wirtschaftssystem zerstört sich selbst 1 und ist erwiesenermassen auch die Ursache dafür, dass die Schere zwischen Arm und Reich, auch diejenige zwischen Ländern 2, immer grösser wird. 3

Durch Zins und Zinseszins vermehrt sich das Geld permanent. Aber woher kommt der fordwährende Geldzuwachs? Den Zinsen soll ein steter Bedarfs und Produktionszuwachs entgegenstehen um Inflation zu verhindern. Dieser Zuwachs muss erarbeitet werden. Auch wenn es das geflügelte Wort verkünden mag; Geld kann nicht arbeiten! Hierfür bedarf es letztendlich immer eines Menschen. Für immer mehr Zins muss der Mensch also immer mehr (oder günstiger und effektiver) arbeiten. Zinsen stehen also im direkten Zusammenhang mit der Ausbeutung der Arbeitskräfte. Zudem sind die Ressourcen beschränkt, die Wirtschaft samt Zins und Zinseszins kann also nicht stetig wachsen. Wenn ein hohes Wohlstandsniveau erreicht ist, ist es moralisch verpflichtend in anderen Ländern Wachstum zu generieren um dort ebenfalls ein höheres Wohlstandsniveau zu erreichen. Dazu müssen die reichen Nationen in ihren Ländern aber Wirtschaftswachstum und das gierige Zinssystem abschaffen.

Im Zinskapitalismus gibt es zwei Arten von Menschen: Die einen sind die, die arbeiten, also real produktiv tätig sind, und die anderen sind die, die davon leben und deren Vermögen stetig wachsen. 4 5 Hier stellt sich die Frage, wer eher der Sozialschmarotzer ist: Der Hartz-4-Empfänger oder der, der von Zinsen lebt, die andere und nicht etwa sein Geld erarbeiten?

Geld arbeitet nämlich nicht. Vielmehr sind es die Menschen, die den Zinsdienst erbringen müssen. Der Erfolg der Wettbewerbswirtschaft sollte aber ausschliesslich von den Fähigkeiten der Menschen bedingt sein. Nicht dem Geld, nicht verbrieften Vorrechten, sondern der Tüchtigkeit, der Kraft, der Liebe und der Weisheit sollten Menschen ihre Erfolge verdanken. 6

Quellen:

  1. Karl Marx, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Bd. III, 3. Aufl. 1911, S. 191ff.
  2. Vgl. etwa Margit Kennedy, Geld ohne Zinsen und Inflation, S. 85ff.
  3. Günter Hannich, Börsencrash und Welt-Wirtschaftskrise, S. 59f.; Margit Kennedy, Geld ohne Zinsen und Inflation, S. 28ff.
  4. https://www.sein.de/eine-wirtschaftsordnung-ohne-zinsen/
  5. Silvio Gesell, Die natürliche Wirtschaftsordnung, 9. Aufl. Lauf 1949, S. 27.
  6. In diesem Sinne schon Silvio Gesell, Die natürliche Wirtschaftsordnung, 4. Aufl. Bern 1938, S. VIII.